8. Juli 2010
"Die Liebe Christi, des Gekreuzigten, drängt uns"

Der monatliche Impuls zum 350. Todesjahr unserer Ordensheiligen Vinzenz von Paul und Luise von Marillac betrachtet einen der berühmtesten Worte der hl. Luise: "Die Liebe Christi, des Gekreuzigten, drängt uns."

Im Kontext der hl. Luise
Im 2. Korintherbrief steht: "Denn die Liebe Christi drängt uns." Die hl. Luise hat diesen Satz für sich als Wahlspruch übernommen und ergänzt mit: "des Gekreuzigten". Was hat sie bewogen, diesen Satz auszuwählen und so zu ergänzen? Es wäre gut, wenn wir sie fragen könnten. Eines aber steht fest. Die hl. Luise kannte das Kreuz, "Durchkreuzungen" im eigenen Leben, und hat sich - ähnlich wie der hl. Vinzenz - berühren lassen von der Liebe Christi, die keine Grenze kennt. Die Konsequenz seiner Liebe "drängte" ihn an das Kreuz. An anderer Stelle lesen wir: "So sehr hat Gott die Welt (die Menschen) geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, das ewige Leben hat."
Die hl. Luise hat das Kreuz nicht gesucht, aber gesehen und erfahren, persönlich und in den Notleidenden. Nicht aus eigener Liebe, sondern in der Liebe Christi, des Gekreuzigten, wusste sie sich gesandt. ER wurde immer mehr der Beweggrund für ihre Sendung ihr barmherziges Handeln.

Im Kontext meines Lebens
Immer wieder komme ich mit Menschen in der Begleitung an den Punkt, wo mein Gegenüber etwas erkennt, was dran ist und dann hinzufügt: Aber das ist nicht leicht! Ja, manche Schritte sind wirklich nicht leicht, aber diese Tatsache erlaubt trotzdem nicht, dass ich diesen Schritt nicht mache.
Zu Mutter Theresa sagte ein Mann: "Das, was Sie da tun, würde ich um viel Geld nicht tun", warauf sie kurz antwortete: "Ich auch nicht!"
Ein anderer Beweggrund, etwas zu tun (statt um viel Geld), ist der um der Liebe willen, die dort nicht aufhört, wo es schwer wird oder auch manchmal weh tut. Das ist für viele Menschen - auch auch für mich - immer wieder eine Herausforderung, aber eine, die Früchte trägt.
Vielleicht erleben wir uns da in der "Schule" derer, die im Blick auf das Kreuz und in der "Kraft des Kreuzes" wissen und erfahren durften und dürfen, was Hermann Hesse wohl meint, wenn er sagt: "Gewonnen hat immer der, der lieben, dulden und verzeihen kann."

(Verfasst von Schwester Rosa Maria Dick)